Viel zu tun in den letzten Tagen. Ich war bei der Kölner Vertretung des amerikanischen Autobauers, um mir den Schaden, der meines Erachtens auf Kulanz laufen müsste, reparieren zu lassen. Und auch wenn ich in der stundenlangen Wartezeit Dinge per Telefon und remote regeln konnte, war es doch ein Tag mit eingeschränktem Arbeitsvolumen und einigem Leerlauf. Alleine die An- und Rückfahrt verschlang schon anderthalb Stunden – dabei bin ich noch gut durchgekommen.
Die letzten zwei Tage waren wir als Medienproduzierende auf einer Veranstaltung unterwegs. Ich war der Fotograf und hatte sowohl Spaß an dieser Arbeit, als auch schmerzende Füße. Highlight war sicherlich die Schifffahrt am Abend des ersten Tages. Also erst einmal, dass sie überhaupt stattfinden konnte, trotz historischem Tiefstand des Rheins. Und andererseits ist so eine Fahrt in der Dunkelheit auch nicht mehr so spannend; wahrscheinlich wäre es den meisten gar nicht aufgefallen, wenn wir am Liegeplatz verblieben wären. Aber soll mir egal sein, ich musste eh arbeiten.
Die verrückten Tage dauern noch ein klein wenig an, dann ist zum Glück wieder mehr Normalleben.
Es stand noch eine Geburtstagsfeier an. Der Kleine ist vor gut drei Wochen auch schon vier Jahre alt geworden. Da konnten wir ihm die Party nicht mehr verwehren, zumal er sie sich sogar explizit gewünscht hatte. Da fielen also vier Kinder in unseren Haushalt ein – zwei Jungen, zwei Mädchen – und etwas überraschend fünf Erwachsene. Die Mädels fanden dann Klein-Tylers große Schwester interessanter, die Jungs spielten mit den Fahrzeugen, es war schon sehr Klischee. Und an sich sehr nett mit allen. Meine immer wiederkehrende Angst bei diesen Gelegenheiten, die Kinder könnten sich langweilen, wurde einmal mehr widerlegt. Die interessierten sich kaum für unser Rahmenprogramm, sondern wollten einfach nur spielen.
Die Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sind jetzt auch durch. Die CDU fliegt aus dem Landtag in MV, die AfD wird knapp vor der SPD stärkste Kraft. In Berlin gewinnen die Linken klar die Wahl. Verrückte Zeiten. Ich nehme mit: Man kann die AfD auf Kosten anderer Parteien der Mitte von der Regierung fernhalten, aber man kann sie nicht kleiner machen. Erst recht nicht, wenn man ihre Narrative nachplappert, ihre Worte übernimmt und versucht, die von ihr gesetzten Themen zu besetzen. Und es klappt eher, wenn man starke Kandidat:innen aufstellt und nicht einfach die nächste Person auf der Liste als Spitzenkandidat:in nimmt.
Wie es wohl nach den Öffnungszeiten im Telekom Shop in Bonn aussieht? Ich weiß es jetzt, denn gestern Abend haben wir dort ein kleines Barcamp, ein BusinessCamp, veranstaltet. Es war sehr schön, sehr gemütlich und fokussiert, mit spannenden Sessions und interessanten Leuten.
Bewegt hat mich allerdings eine No-show-Rate von 60 Prozent. So krass habe ich das noch nie erlebt. Mich macht das sauer. Über 50 Leute hatten sich angemeldet, andere wollten gerne dabei sein und bekamen keinen Platz mehr. Und dann kommen sie einfach nicht, hat ja nichts gekostet.
Wir werden bestimmt wieder so ein BusinessCamp veranstalten. Aber ich fürchte, wir werden eine Schutzgebühr verlangen müssen. Wenn das buchhalterisch geht, gibt es die Teilnahmagebühr dann für die zurück, die tatsächlich anwesend sind.
Ich war gestern beim TÜV (dem Original®), weil das Autolie jetzt auch schon fünf Jahre alt ist. Ich war nervös, man hört ja so vieles über alternde E-Autos des amerikanischen Herstellers. Wie sich herausstellte, war diese Sorge nicht unbegründet. Die Querlenker der hinteren Achse sind ausgeschlagen und müssen dringend erneuert werden. Oder in Amtsdeutsch: Das Fahrzeug weist erhebliche Mängel auf.
Der TÜV-Prüfer meinte, das sei ein bekanntes Problem, da wären einfach zu schwache Buchsen verbaut worden. Aber davon will das Servicecenter des amerikanischen Herstellers nichts wissen. Die Neuwagengarantie ist praktischerweise vor einem Jahr abgelaufen und die Kulanz sei schon mit günstigen Ersatzteilen erreicht. Doof nur, dass die Arbeitsstunden das Teure sind.
Aber, gut, ich will nicht weiter meckern. Es ist die erste altersbedingte Reparatur in fünf Jahren. Das Auto hatte sonst nur einmal noch die Werkstatt gesehen, als ich mir die Heckschürze kaputtgefahren hatte. Was da jetzt an Kosten auf mich zukommt, habe ich früher beim deutschen Hersteller nur für die jährliche Inspektion gezahlt – ohne Ersatzteile und deren Einbau.
Ärgerlich ist einfach nur, dass der Amerikaner jahrelang nicht passende Teile verbaute, das seit einigen Jahren aus diesen Gründen nicht mehr macht, seine Altkunden jedoch bei der Hauptuntersuchung auflaufen lässt.
Wenn mir gerade mal langweilig ist, also selten, arbeite ich daran, mir meine persönliche Infomail für den Tagesstart zusammenzustellen. Aus verschiedenen Quellen lasse ich Daten zusammentragen und dann in einer E-Mail zusammenstellen. Ich nutze dafür natürlich N8N, das mir derzeit das Wetter für den Tag präsentiert (Datenquelle: Openweathermap), den Rheinpegel ausgibt (von Pegel Online) und die mobilen Blitzer des Tages (über die offenen Daten der Stadt Bonn, wobei ich die Daten abgreife, die ich schon für den Mastodon-Melder @bonnblitzer gesammelt habe).
Das Ziel dieser Bemühungen ist, dass ich morgens schnell und auf einen Blick alle für mich relevanten Informationen erhalte. Wobei mir dafür noch Infos fehlen (unvollständige Liste):
Ich war mal wieder auf Chrrp.eu, das mal Twttr.eu war und nun auch wieder ist, weil Gründer Jan Kus sich nach einem US-Gerichtsurteil wieder traut, einen Twitter-ähnlichen Namen zu nutzen. Ich hatte dereinst mal darüber gebloggt, warum ich den Dienst so „nostalgisch gut“ finde. Das ist er noch immer, aber das Wichtige fehlt Twttr.eu leider: die Nutzenden. Wie so viele neue Social-Media-Dienste gelang es auch diesem Portal nicht, eine Masse an Leuten zu versammeln, die ein FOMO in mir wecken. Ich vermute sogar, dass die Hälfte der Invite-Codes in dem Artikel noch verfügbar sind, so wenig Traktion hat der Twitter-Klon aus 2008 erhalten. Einige Nostalgiker:innen wie ich waren kurzzeitbegeistert, aber spätestens seit der Republica im Mai ist leider die Luft raus.
Apropos Nostalgie. Warum man Kommunalwahlen in einem Bundesland zu einem Gesamtergebnis zusammenfasst und daraus auch noch bundespolitische Schlüsse zieht, habe ich noch nie verstanden. Kommunalwahlen sind Personenwahlen, sie sind nur für die jeweilige Kommune aussagekräftig und selbst wenn sie überregionale Bedeutung haben sollten, sind sie kein Stimmungstest für Gesamtdeutschland.
Es wäre ein verrückter Sonntag geworden. Denn eigentlich hätte ich viel Stress gehabt. Als Vorstand beim Kita-Förderverein wurde ich freiwillig zwangsverpflichtet, beim geplanten Flohmarkt mitzuhelfen. Gleichzeitig hatte ich Karten fürs Saisoneröffnungsspiel des hiesigen, magentafarbenen Basketballvereins. Also war der Plan, erst beim Aufbau und ein wenig beim Kuchenverkauf zu helfen, um dann schnell nach Hause zu rennen, der Babysitterin Hallo zu sagen, die Frau einzupacken und loszudüsen auf den Hardtberg.
Am späten Vormittag wurde der Flohmarkt dann aber wegen des angekündigten starken Dauerregens abgesagt, was mir die Möglichkeit eines kurzen Mittagsnickerchens eröffnete. Wie schön!
Später siegten auch noch die Baskets in ihrem Testspiel 81:74 gegen den französischen Champions-League-Teilnehmer Nanterre in einem spannenden Spiel. Außerdem traf ich noch zufällig hier und da Bekannte. Wäre ich also nicht so nass vom Hinweg gewesen, wäre es ein perfekter Nachmittag geworden. So gab es halt Abzüge in der B-Note.
Und ein Learning habe ich auch noch mitgenommen: Ein Basketballspiel mag netto nur sechzig Minuten kurz sein, dauert aber mit allen Pausen und Unterbrechungen dann doch locker zwei Stunden. Das hatten wir nicht so gut eingeplant. Naja.
Es ist schon wild, dass 9/11 heute ein Vierteljahrhundert her ist. Es ist eines dieser Ereignisse, bei denen ich noch genau weiß, was ich ab 16 Uhr gemacht habe. Nämlich: ferngesehen. Das Internet war mehr oder weniger unbrauchbar an diesem Tag, die wenigen Nachrichtenseiten waren unter dem Ansturm an Nutzenden zusammengebrochen.
Ich schrieb 2006 zum Fünfjährigen schon einmal auf, wie ich diesen Tag erlebt habe:
Vor fünf Jahren war ich krank, lag auf dem Sofa und schlief gerade ein. Um 16 Uhr kam Star Trek NG, das wir jeden Tag aufnahmen, deshalb sprang der Videorecorder an. Ich registrierte das im Halbschlaf und wachte wieder auf, als er sich wenige Minuten später – VPS sei Dank – wieder ausschaltete. Ich wollte nur sehen, warum dieser blöde Videorecorder wieder ausgegangen war und schaltete Sat.1 ein. Ich sah einen brennenden Turm des World Trade Centers. Ein Sportflugzeug sei hineingerast, hieß es zu diesem Zeitpunkt noch. Kurze Zeit später – das zweite Flugzeug war »gelandet« – war klar, dass das kein Unfall war.
Ich war die nächsten mindestens acht Stunden nicht mehr vom Fernseher wegzubekommen, saugte jede neue Nachricht in mich auf, versuchte nebenbei, auf den völlig überlasteten Nachrichtenseiten im Internet Informationen zu bekommen. Nur kurz verließ ich die Wohnung, um [meine damalige Partnerin] abzuholen. Auf der Fahrt starrte ich immer wieder nach oben, in den Himmel, und sagte zu mir: »Dieser Tag wird die Welt verändern.«
Morgens halb sieben aus dem Haus, abends halb neun zuhause, dazwischen vier Stunden Fahrt und eine riesige Messe, auf der wir im Auftrag unseres Kunden rumliefen und Videos produzierten. Das war ja mal anstrengend! Aber auch cool.
Die Messe war die Automechanika, nach Selbstbeschreibung die „weltweit größte Community im Aftermarket“, auf der alles, was mit Autos zu tun hat – von der Schraube bis zur Lackiererei – vertreten ist. Überall parken Autos und Lkw, finden Shows und Vorträge statt. Es ist echt viel los. Interessant, so etwas auch mal zu sehen.
Was mir abgeht, ist das Gen für laute und stinkende Autos. Bei einer Show drifteten zwei mit einer ordentlichen Zahl an Fehlzündungen vor Zuschauern herum. Es stank und man musste sich die Ohren zuhalten. Den echten Männern gefiel das, man zückte seine mobilen Aufnahmegeräte.
Der kleine Mann ist jetzt auch schon vier Jahre alt, Heidewitzka. Er bekam eine Menge Geschenke und konnte sich gar nicht entscheiden, womit er zuerst spielt. Wir erleichterten ihm die Entscheidung, denn er sollte ja normal in die Kita. Und weil die Tochter auch noch Backwaren von ihrem Geburtstag mit in die Schule nehmen wollte, packte ich den Fahrradanhänger voller Boxen und spielte Bäckereivertrieb.
Nachmittags waren wir dann alle auf der örtlichen Kirmes, die praktischerweise dieses Wochenende war. Zusammen mit einigen Schulfreundinnen und Erziehungsberechtigten machten wir das Areal unsicher. Die Kinder hatten eine Menge Spaß und wir innerhalb kürzester Zeit einen halben Monatslohn weniger. Zum Schluss hab es eine Kugel Eis.
Ich bin immer noch nicht über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt hinweg. Der ARD-Wahlstudiomensch Jörg Schönenborn liegt mir noch in den Ohren mit seiner Analyse, dass die AfD alle Anzeichen einer Volkspartei bei dieser Wahl hatte, weil sie von allen Schichten und in allen Merkmalen mehrheitlich gewählt wurde. „Allerdings verbinden Volksparteien normalerweise gesellschaftliche Schichten“, schloss er so spitz wie treffend.