Ich war mal wieder auf Chrrp.eu, das mal Twttr.eu war und nun auch wieder ist, weil Gründer Jan Kus sich nach einem US-Gerichtsurteil wieder traut, einen Twitter-ähnlichen Namen zu nutzen. Ich hatte dereinst mal darüber gebloggt, warum ich den Dienst so „nostalgisch gut“ finde. Das ist er noch immer, aber das Wichtige fehlt Twttr.eu leider: die Nutzenden. Wie so viele neue Social-Media-Dienste gelang es auch diesem Portal nicht, eine Masse an Leuten zu versammeln, die ein FOMO in mir wecken. Ich vermute sogar, dass die Hälfte der Invite-Codes in dem Artikel noch verfügbar sind, so wenig Traktion hat der Twitter-Klon aus 2008 erhalten. Einige Nostalgiker:innen wie ich waren kurzzeitbegeistert, aber spätestens seit der Republica im Mai ist leider die Luft raus.
Apropos Nostalgie. Warum man Kommunalwahlen in einem Bundesland zu einem Gesamtergebnis zusammenfasst und daraus auch noch bundespolitische Schlüsse zieht, habe ich noch nie verstanden. Kommunalwahlen sind Personenwahlen, sie sind nur für die jeweilige Kommune aussagekräftig und selbst wenn sie überregionale Bedeutung haben sollten, sind sie kein Stimmungstest für Gesamtdeutschland.
Es wäre ein verrückter Sonntag geworden. Denn eigentlich hätte ich viel Stress gehabt. Als Vorstand beim Kita-Förderverein wurde ich freiwillig zwangsverpflichtet, beim geplanten Flohmarkt mitzuhelfen. Gleichzeitig hatte ich Karten fürs Saisoneröffnungsspiel des hiesigen, magentafarbenen Basketballvereins. Also war der Plan, erst beim Aufbau und ein wenig beim Kuchenverkauf zu helfen, um dann schnell nach Hause zu rennen, der Babysitterin Hallo zu sagen, die Frau einzupacken und loszudüsen auf den Hardtberg.
Am späten Vormittag wurde der Flohmarkt dann aber wegen des angekündigten starken Dauerregens abgesagt, was mir die Möglichkeit eines kurzen Mittagsnickerchens eröffnete. Wie schön!
Später siegten auch noch die Baskets in ihrem Testspiel 81:74 gegen den französischen Champions-League-Teilnehmer Nanterre in einem spannenden Spiel. Außerdem traf ich noch zufällig hier und da Bekannte. Wäre ich also nicht so nass vom Hinweg gewesen, wäre es ein perfekter Nachmittag geworden. So gab es halt Abzüge in der B-Note.
Und ein Learning habe ich auch noch mitgenommen: Ein Basketballspiel mag netto nur sechzig Minuten kurz sein, dauert aber mit allen Pausen und Unterbrechungen dann doch locker zwei Stunden. Das hatten wir nicht so gut eingeplant. Naja.
Es ist schon wild, dass 9/11 heute ein Vierteljahrhundert her ist. Es ist eines dieser Ereignisse, bei denen ich noch genau weiß, was ich ab 16 Uhr gemacht habe. Nämlich: ferngesehen. Das Internet war mehr oder weniger unbrauchbar an diesem Tag, die wenigen Nachrichtenseiten waren unter dem Ansturm an Nutzenden zusammengebrochen.
Ich schrieb 2006 zum Fünfjährigen schon einmal auf, wie ich diesen Tag erlebt habe:
Vor fünf Jahren war ich krank, lag auf dem Sofa und schlief gerade ein. Um 16 Uhr kam Star Trek NG, das wir jeden Tag aufnahmen, deshalb sprang der Videorecorder an. Ich registrierte das im Halbschlaf und wachte wieder auf, als er sich wenige Minuten später – VPS sei Dank – wieder ausschaltete. Ich wollte nur sehen, warum dieser blöde Videorecorder wieder ausgegangen war und schaltete Sat.1 ein. Ich sah einen brennenden Turm des World Trade Centers. Ein Sportflugzeug sei hineingerast, hieß es zu diesem Zeitpunkt noch. Kurze Zeit später – das zweite Flugzeug war »gelandet« – war klar, dass das kein Unfall war.
Ich war die nächsten mindestens acht Stunden nicht mehr vom Fernseher wegzubekommen, saugte jede neue Nachricht in mich auf, versuchte nebenbei, auf den völlig überlasteten Nachrichtenseiten im Internet Informationen zu bekommen. Nur kurz verließ ich die Wohnung, um [meine damalige Partnerin] abzuholen. Auf der Fahrt starrte ich immer wieder nach oben, in den Himmel, und sagte zu mir: »Dieser Tag wird die Welt verändern.«
Morgens halb sieben aus dem Haus, abends halb neun zuhause, dazwischen vier Stunden Fahrt und eine riesige Messe, auf der wir im Auftrag unseres Kunden rumliefen und Videos produzierten. Das war ja mal anstrengend! Aber auch cool.
Die Messe war die Automechanika, nach Selbstbeschreibung die „weltweit größte Community im Aftermarket“, auf der alles, was mit Autos zu tun hat – von der Schraube bis zur Lackiererei – vertreten ist. Überall parken Autos und Lkw, finden Shows und Vorträge statt. Es ist echt viel los. Interessant, so etwas auch mal zu sehen.
Was mir abgeht, ist das Gen für laute und stinkende Autos. Bei einer Show drifteten zwei mit einer ordentlichen Zahl an Fehlzündungen vor Zuschauern herum. Es stank und man musste sich die Ohren zuhalten. Den echten Männern gefiel das, man zückte seine mobilen Aufnahmegeräte.
Der kleine Mann ist jetzt auch schon vier Jahre alt, Heidewitzka. Er bekam eine Menge Geschenke und konnte sich gar nicht entscheiden, womit er zuerst spielt. Wir erleichterten ihm die Entscheidung, denn er sollte ja normal in die Kita. Und weil die Tochter auch noch Backwaren von ihrem Geburtstag mit in die Schule nehmen wollte, packte ich den Fahrradanhänger voller Boxen und spielte Bäckereivertrieb.
Nachmittags waren wir dann alle auf der örtlichen Kirmes, die praktischerweise dieses Wochenende war. Zusammen mit einigen Schulfreundinnen und Erziehungsberechtigten machten wir das Areal unsicher. Die Kinder hatten eine Menge Spaß und wir innerhalb kürzester Zeit einen halben Monatslohn weniger. Zum Schluss hab es eine Kugel Eis.
Ich bin immer noch nicht über das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt hinweg. Der ARD-Wahlstudiomensch Jörg Schönenborn liegt mir noch in den Ohren mit seiner Analyse, dass die AfD alle Anzeichen einer Volkspartei bei dieser Wahl hatte, weil sie von allen Schichten und in allen Merkmalen mehrheitlich gewählt wurde. „Allerdings verbinden Volksparteien normalerweise gesellschaftliche Schichten“, schloss er so spitz wie treffend.
Man hofft ja doch immer bis zum Schluss. Ich bin Optimist genug. Auch bei Trumps Wiederwahl hatte ich bis zum Wahltag die Hoffnung, dass sich die Wähler:innen eines Besseren besinnen. Und auch in Sachsen-Anhalt war die Erwartung da, dass sich die Leute damit begnügen, dass der große Rest Deutschlands wie aufgescheuchte Hühner wild mit den Demokratieflügeln flattert. Aber hier wie dort: es kam so schlimm wie befürchtet. Eigentlich sogar noch ein wenig schlimmer.
43,8 Prozent der Wählenden in SA (so darf man das Bundesland jetzt abkürzen) haben der NSDAP-Nachfolgepartei ihre Stimme gegeben. Dass ausgerechnet die Bande der Scheinarmee des Westens (BSW) die absolute Mehrheit im Landtag verhinderte, sieht nur im ersten Moment wie ein Hoffnungsschimmer aus. Es wird wohl eher ein Bündnis der Steigelbügelhalter der Wahnsinnigen werden.
Aber, ach, wir müssen nach vorne blicken. Hilft ja nichts.
Das Tochterkind war auf einen Kindergeburtstag auf einem Reiterhof eingeladen und wie der Zufall es wollte, lag der nur zwei Häuser neben der Wohnung von Freunden. Wir luden uns deshalb selbst ein und verbrachten einen lustigen Nachmittag bei Kuchen und Grill, während Klein-Lea voltigierte und andere Dinge mit dem Pferd anstellte.
Am Abend waren wir alle angenehm platt. Manche von uns mussten allerdings noch Geschenke einpacken.
Vielleicht speist sich meine Hoffnung ja daraus, dass ich zwei Kinder habe, denen ich eine gute Zukunft wünsche. Wahrscheinlich ist meine Generation lost, wenn ich so sehe, welche Altersgruppen die Blaubraunen hauptsächlich gewählt haben. Vielleicht ist die Generation danach auch nicht mehr zu retten, weil sie zu lange mit den Algorithmen allein gelassen wurde. Es bleibt die Hoffnung, dass die Generation meiner Kinder es besser hinbekommt.
… habe ich, wie immer am Monatsfünften, im entsprechenden WMDEDGT-Eintrag in meinem Blog dokumentiert. Und weil der Tag schon so genug war für einen Samstag, gibt es darüber hinaus nichts zu berichten.
Start your day right mit einer Morgenrunde übers Feld. Sowas ist zwar anstrengend, aber man hat um 8:30 Uhr auch schon den schwersten Teil des Tages geschafft. Dann ging es ab ins Büro, Bürodinge machen, und zum Tagesschluss zu einer Firmenfeier eines befreundeten Unternehmens, die dann doch etwas länger ging als ich vorher geplant hatte.
Damit ist schon die erste, leicht verkürzte Arbeitswoche wieder rum und ich angemessen müde. An das frühe Aufstehen muss ich mich noch etwas länger gewöhnen.
Die i-Dötzchen, wie sie hierzulande genannt werden, waren unterwegs – Einschulungstag. Das Tochterkind war fast genauso aufgeregt wie vor einem Jahr, weil sie mit ihrer Klasse ein Ständchen singen musste. War dann aber wohl doch gar nicht so schlimm.
Ich bin anlässlich dieser Sache das erste Mal seit wahrscheinlich elf Monaten mit der Tochter und ihren Schulwegfreundinnen bis zur Schule gegangen, weil ich noch einen Kuchen für die Feier abliefern musste. Ich war bass erstaunt, was da auf dem Schulhof los war. Aus den aufgestellten Lautsprechern tönte aberwitzig laute Musik. Und nicht irgendwelche, sondern die „Dorfkinder“. Ich möchte kurz aus dem Text zitieren:
Wir sind alle Dorfkinder, scheiß auf eure Stadt
Louis V ist krass, wenn man sonst nix andres hat
Wir sind alle Dorfkinder, wissen, wie man's macht
Eskalier'n in der Nacht und sind früh wieder wach
Ich habe den Comment Tracker von Thomas Gigold installiert. Das ist das Tool, das ich seit 20 Jahren gesucht habe, um Diskussionen weiterverfolgen zu können, die in Blogs stattfinden. Ganz wenige bieten Kommentar-Abos an, und die sind umständlich und funktionieren nicht zuverlässig. Kommentar-Tracking ist eine echte Marktlücke. (Ich bin mir der Ironie bewusst, hier ein Blogtool zu benutzen, das keine Kommentarfunktion hat. Würde nichts ändern, das Tool läuft nur für Wordpress-Blogs.)
Sie werden so schnell groß! Heute war erster Schultag in Klasse 2 für die Tochter. Sie war weniger aufgeregt als ich, glaube ich. Vielleicht, weil sie schon am Vortag zur Einstimmung in der OGS gastierte. Und kaum war sie zuhause, wollte sie auch schon wieder los, um sich mit ihrer Freundin auf dem Spielplatz zu treffen. Ich bin ja hin- und hergerissen, denn einerseits ist es ja toll, dass sie schon so selbstständig wird, andererseits sehe ich meine Tochter an so einem Tag wenig, habe kaum Zeit, um wenigstens mal zu fragen, was sie so erlebt hat. Wobei das einseitiges Gejammer ist. Wenn ich nicht im Homeoffice gewesen wäre, vielleicht sogar noch einen Abendtermin gehabt hätte, wäre noch weniger gemeinsame Zeit gewesen.
Was bei beiden Kindern auffällt: Sie sind über die paar Wochen Ferien schon wieder gewachsen! Die halbe Kleidung passt nicht mehr. Wir brauchen Jacken für die kalte Zeit. Herrje!
Eigentlich ist es mir zutiefst zuwider, mich mit Springer-Journalist:innen abzugeben. Dank der penetranten Werbung hörte ich aber mal in den Machtwechsel-Podcast von Dagmar Rosenfeld und Robin Alexander rein (beide sind ehemalige Mitarbeiter:innen der Welt). Ich muss gestehen, dass ich damit noch ein bisschen besser verstanden habe, was in Sachsen-Anhalt nach dem kommenden Sonntag passieren kann, in welcher Zwickmühle die CDU steckt (selbstverschuldet dank miserablem Wahlkampf und sinnlosen Unvereinbarkeitsbeschlüssen).